Beratungsstelle
Wieder eine Lücke in der neurologischen Nachsorge geschlossen und eine Anlaufstelle für alle geschaffen
Die Idee war schon lange da: eine ambulante Beratungsstelle für Betroffene und deren Angehörige, an die sie sich auch nach Abschluss der neurologischen Rehabilitation wenden können. Bisher gab es in Regensburg und Umland keine derartig spezialisierte Anlaufstelle.
Das „zweite Leben“ nach einer erworbenen Hirnverletzung oder einem Schlaganfall mit bleibender Hirnschädigung kann sehr vielfältig sein. Am Anfang steht meist der Schock über die neue Lebenssituation, das Schicksal, das einen erlangt hat. Während des stationären Aufenthalts stehen für die Patienten und deren Angehörige oft noch die medizinischen Fragestellungen sowie die Krankheitsverarbeitung im Vordergrund. Nach der Entlassung ins häusliche Umfeld kommen dann erst die tatsächlichen Veränderungen zu Tage, die eine schwere Erkrankung nach sich zieht, z.B. die soziale Integration, die Wohnsituation und meistens auch berufliche Fragestellungen. Vieles funktioniert nicht mehr, z.B. sind Umbaumaßnahmen in der Wohnung nötig, oder ein schleichender Rückzug aus sozialen Netzwerken beginnt. Wenn eine berufliche Wiedereingliederung überhaupt versucht wird, kann es nach Wochen zum Scheitern kommen, und nicht selten werden Menschen mit erworbenen Hirnverletzungen oder -erkrankungen frühzeitig berentet. Um in diesen oder ähnlichen Situationen alle Betroffene besser zu erreichen, sozialpädagogisch zu beraten und über das Angebot des NNZ informieren zu können, hat der Verein „Zweites Leben“ seit Januar 2010 hier die neue Beratungsstelle für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung (nach Schädel-Hirnverletzung oder Schlaganfall) und deren Angehörige eingerichtet. Eine Anbindung an das Neurologische Nachsorgezentrum erschien sinnvoll, um auch den Besuchern dort eine zusätzliche Anlaufstelle zu bieten.
Die Stelle wurde besetzt durch Susanne Dankesreiter, Diplom-Sozialpädagogin (FH) aus Regensburg, die bereits in den Jahren 2002 und 2003 im Sozialdienst der Neurologischen Rehabilitationsklinik tätig war und im Anschluss Berufserfahrung in zwei Akutkrankenhäusern sammeln konnte.
Die Beratung findet statt immer mittwochs von 9.30 – 11.30 Uhr im „Haus zweites Leben“ am BKR, Universitätsstr. 84, 93053 Regensburg, Haus 30, Raum U 02. Hier kann unter der Telefonnummer 0941/941-3880 (oder per email an susanne.dankesreiter(at)medbo.de) angerufen werden, um Anliegen oder Fragen vorzubringen und gegebenenfalls einen Termin im Büro zu vereinbaren.
Zudem wird dieses Angebot durch weitere ehrenamtliche Fachkräfte aus den Bereichen Ergotherapie und Physiotherapie unterstützt. Ergotherapeutin Elisabeth Schmid ist freitags von 16 – 18 Uhr unter der gleichen Telefonnummer erreichbar. Bei juristischen Fragen steht Frau Alexandra Glufke-Böhm, Fachanwältin für Medizinrecht, zur Verfügung (Terminvereinbarung erforderlich). Vereinsmitglied und Schatzmeisterin Margit Adamski besetzt das Büro montags von 14 - 16 Uhr. Außerdem wirkt in der Beratungsstelle Bernhardine Bialas mit, sie ist ebenfalls Diplom-Sozialpädagogin und eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die den Verein „Zweites Leben“, den Klinikalltag und die Arbeit im NNZ unterstützen! Rückblickend auf das erste Jahr der Beratungsstelle kann berichtet werden, dass bei vielen Anrufern das Krankheitsereignis schon einige Zeit zurückliegt. Viele starten einen Versuch wieder Anschluss am aktiven Leben zu finden, nachdem sie sich bereits aus früheren Tätigkeiten oder Freundeskreisen zurückgezogen haben. Manchmal ist auch nur ein kurzes Telefonat nötig, um dem Hilfesuchenden wertvolle Informationen zukommen zu lassen. Die Erstkontakte in der Beratungsstelle laufen bisher hauptsächlich über Telefon und email, persönliche Gespräche werden dann bei mehr Gesprächsbedarf vereinbart, häufig zusammen mit den Angehörigen. Anfragen kommen von Betroffenen und Angehörigen in gleichem Maße, meistens erfuhren sie über die Zeitung von der Beratungsstelle.
Themen in der Beratung waren:
- Vermittlung an Selbsthilfegruppen und andere externe Einrichtungen
- ambulante Therapiemöglichkeiten (v.a. Logopädie, Neuropsychologie) oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen
- Gesetzliche Betreuung
- Schwerbehindertenrecht
- finanzielle Fragestellungen
- familiäre Konflikte, die sich aus der Krankheit ergeben
- Soziale Wiedereingliederung und die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung
- Berufliche Wiedereingliederung oder Neuorientierung (z.B. in Form von Praktika)
- Interesse am NNZ (Zusenden von Infomaterial)
Bei Interesse werden Hospitationstermine für das NNZ vereinbart, der Besucher erlebt die Einrichtung einen Vor- oder Nachmittag lang und kann sich dann entscheiden, ob und wie oft er das NNZ künftig besuchen möchte. Bei der Antragsstellung zur Kostenübernahme durch den Bezirk wird der Besucher unterstützt.
Ein Ziel ist es künftig eine intensive sozialpädagogische Betreuung für alle Besucher des NNZ zu ermöglichen. In Einzelberatung soll eine Art Profil erstellt werden, wonach der Bedarf für weitere Maßnahmen festgelegt wird. Der Besucher kann z.B. bei seiner beruflichen Neuorientierung oder Wiedereingliederungsmaßnahme begleitet und unterstützt werden.
Eine weitere Maßnahme die dazu dienen soll das NNZ und die Beratungsstelle in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, ist die umfangreiche Abschlussarbeit einer Fachhochschulstudentin der Fachrichtung „Soziale Arbeit“, die derzeit in Form einer schriftlichen Umfrage bei ehemaligen Patienten der Neurologischen Rehabilitationsklinik mit den Angehörigen und dazugehörigen Hausärzten durchgeführt wird. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet, da im Fokus die Bedarfsermittlung für eine ambulante Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung steht. Ein positives Ergebnis würde die Gründung und das bisher Geleistete unserer Beratungsstelle bestätigen und könnte für zukünftige Visionen dienlich sein!
